Quelle: Architizer und Chaos, The State of AI in Architecture, 2024 Umfrage: 1.227 Architektur- und Designfachleute aus 118 Ländern
Architizer und Chaos befragten 1.227 Fachleute aus Architektur und Design in 118 Ländern zur Nutzung, zu den Grenzen und zur erwarteten Rolle von KI in der Praxis. Die Mehrheit der Befragten arbeitete in kleineren Büros: 63 % waren in Unternehmen mit höchstens zwanzig Mitarbeitenden beschäftigt.
Der Einsatz ist Realität. Formale Schulung nicht.
46 % der Befragten nutzten bereits KI-Werkzeuge oder KI-Funktionen in Architekturprojekten; weitere 23 % planten deren Einsatz in naher Zukunft. Mit zunehmender Bürogröße stieg die Nutzungsquote – von 35 % bei Freiberuflern auf 55 % in Büros mit zwanzig oder mehr Mitarbeitenden.
Demgegenüber hatten 60 % keinerlei formale KI-Schulung erhalten; weitere 18 % planten eine entsprechende Weiterbildung. Ein großer Teil der frühen KI-Praxis im Berufsstand ist daher autodidaktisch, improvisiert und nur schwach dokumentiert.
Welche Best Practices sich langfristig etablieren, wird wesentlich durch die heutigen Experimentierenden mitgeschrieben.
KI wird fast ausschließlich für Bilder eingesetzt.
Die dominierenden Anwendungen waren Bilderzeugung aus Textprompts (74 %), Bildbearbeitung (61 %) und Bilderzeugung aus Modellinputs (50 %). Andere Anwendungsfälle waren deutlich seltener: Layout- und Grundrissgenerierung (26 %), Machbarkeitsstudien (21 %), bauordnungsrechtliche Analyse (19 %) und Energieeffizienzanalyse (19 %).
Die Zufriedenheit folgte demselben Muster. 67 % waren mit KI-generierten Renderings in frühen Entwurfsphasen zufrieden, aber nur 30 % mit dem Einsatz von KI in der Entwurfsvertiefung und späteren Leistungsphasen.
Architektinnen und Architekten setzen diese Werkzeuge dort ein, wo die Arbeit explorativ bleibt – und reagieren zurückhaltender, sobald Ergebnisse koordiniert, dokumentiert und fachlich belastbar sein müssen.
Das zentrale Problem ist Kontrolle.
Als häufigstes Hindernis wurde eine zu geringe architekturspezifische Funktionalität von KI genannt (50 %), gefolgt von Integrationsproblemen (38 %), fehlenden Schulungsressourcen (37 %) und Zeitmangel (37 %).
Auf die Frage nach den wichtigsten nächsten Entwicklungen priorisierten die Befragten eine stärkere Kontrolle über ausgegebene Bilder (62 %), die Überführung eines 2D-Bildes in eine 3D-Szene (58 %) und die Materialgenerierung aus Textprompts (55 %).
Das ist nicht einfach nur die Forderung nach mehr Funktionalität. Es ist die Forderung nach Verlässlichkeit, Steuerbarkeit und reproduzierbaren Ergebnissen.
Die Erwartung ist weiter als die Evidenz.
86 % der Befragten erwarteten, dass KI künftig eine bedeutende Rolle in der Architekturpraxis spielen wird. Die Einschätzung des unmittelbaren Nutzens fiel jedoch zurückhaltender aus: 53 % bewerteten die Beschleunigung des iterativen Entwurfsprozesses als gering, 35 % als hoch.
Die Studie zeichnet damit das Bild eines Berufsstands, der davon ausgeht, dass KI relevant sein wird, zugleich aber noch nach belastbaren Nachweisen sucht, an welchen Stellen sie die tägliche Planungsarbeit tatsächlich verbessert.
Fast alle wollen Regeln.
74 % stimmten zu, dass ethische Leitlinien für KI im architektonischen Entwurf notwendig sind; 7 % widersprachen. Die wichtigsten Bedenken betrafen geistiges Eigentum (40 %), Qualitätssicherung mit dem Ziel, dass KI-gestützte Entscheidungen Gesundheit und Sicherheit nicht beeinträchtigen (36 %), sowie Transparenz darüber, wann KI eingesetzt wurde (22 %).
Warum ich immer wieder auf diese Studie zurückkomme
Die Differenz zwischen den 74 %, die KI für Renderings einsetzen, und dem Anteil von ungefähr einem Fünftel, der sie für bauordnungsrechtliche Analyse, Machbarkeit oder Layout nutzt, ist die zentrale Frage. Für Bilderzeugung stehen ausgereifte Standardwerkzeuge sofort zur Verfügung. Dort liegt jedoch nicht zwangsläufig die teuerste, repetitivste oder haftungsrelevanteste Arbeit des Berufsstands.
Der Wunsch nach Präzision und Kontrolle – zusammen mit dem deutlichen Rückgang der Zufriedenheit, sobald Projekte frühe Entwurfsphasen verlassen – weist in dieselbe Richtung: Allgemeine Werkzeuge funktionieren dort am besten, wo Ergebnisse interpretationsfähig bleiben. Sie geraten an Grenzen, sobald ein Architekt eine Entscheidung begründen, koordinieren und fachlich vertreten muss.
Genau an dieser Grenze werden spezifischere Werkzeuge für die Architektur sinnvoll.