← Forschung

AI in Architecture: From Image Generation to Intelligent Workflows

Ein Framework für den Einsatz von KI entlang des architektonischen Planungs- und Bauprozesses

Forschungsnotiz · 2026
  • KI
  • Architekturpraxis
  • Computational Design
  • Automatisierung

KI in der Architektur wird häufig über das Bild diskutiert: eine generierte Perspektive, eine transformierte Fassade oder eine aus einem Prompt erzeugte visuelle Variante.

Dieses Bild ist nützlich, bildet jedoch nur einen einzelnen Moment innerhalb eines wesentlich größeren Prozesses ab. Architektur entwickelt sich über Aufgabenstellung und Briefing, Konzept, Entwurf, Koordination, Dokumentation und Ausführung. Jede dieser Phasen erzeugt Informationen, die interpretiert, geprüft und in die nächste Bearbeitungsstufe überführt werden müssen.

Dieses Framework untersucht, an welchen Stellen KI diese Arbeit unterstützen kann, ohne Urteilskraft, Autorenschaft oder Verantwortung vom Architekten zu lösen. Es ist ein Arbeitsmodell – kein Softwareprodukt und keine Prognose einer vollständig automatisierten Planungspraxis.

01 / Der architektonische Planungsprozess

Von der Aufgabenstellung bis zur Ausführung

Architekturprojekte sind kein einzelner Entwurfsakt. Sie bestehen aus einer Folge miteinander verknüpfter Entscheidungen – von Aufgabenstellung und Konzept über Entwurf, Koordination und Dokumentation bis zur Ausführung.

In jeder Phase interpretieren Planungsteams Randbedingungen, prüfen Varianten, tauschen Informationen aus und treffen Entscheidungen, die die nächste Bearbeitungsphase beeinflussen. Das Potenzial von KI liegt deshalb nicht allein in der Bildgenerierung. Es liegt darin, Architektinnen und Architekten dabei zu unterstützen, Informationen zu strukturieren, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Annahmen zu prüfen und repetitive Arbeit zu reduzieren.

Der architektonische Planungsprozess: Aufgabenstellung, Konzept, Entwurf, Koordination, Dokumentation und Ausführung.
Abbildung 01. Der architektonische Planungsprozess: Aufgabenstellung, Konzept, Entwurf, Koordination, Dokumentation und Ausführung.

Der Ablauf ist bewusst vereinfacht dargestellt. Reale Projekte verlaufen iterativ: Entscheidungen führen zurück in frühere Bearbeitungsstände, Anforderungen verändern sich und neue Randbedingungen kommen hinzu. KI sollte diese Iteration unterstützen, anstatt einen linearen Prozess als bereits gelöst darzustellen.

02 / Eine KI-Ebene über den gesamten Projektlebenszyklus

Anstatt KI als einzelne Anwendung zu verstehen, ist es hilfreicher, sie als unterstützende Ebene über den gesamten Projektlebenszyklus zu betrachten.

Eine vorgeschlagene KI-Ebene, die spezialisierte Unterstützungsfunktionen mit den einzelnen Phasen eines Architekturprojekts verbindet.
Abbildung 02. Eine vorgeschlagene KI-Ebene, die spezialisierte Unterstützungsfunktionen mit den einzelnen Phasen eines Architekturprojekts verbindet.

Intelligenz, die jeden Planungsschritt ergänzt

Das Diagramm beschreibt sechs Unterstützungsbereiche: Briefing-Unterstützung, Konzeptentwicklung, Entwurfsprüfung, Koordination, Dokumentenautomatisierung und KI-Unterstützung in der Bauausführung.

Jeder Bereich hat einen anderen Bezug zu den Projektinformationen:

  • Brief Assistant — strukturiert Anforderungen, Randbedingungen, Kontext und relevante Vorschriften.
  • Concept Explorer — unterstützt den Vergleich von Varianten anhand definierter Entwurfskriterien.
  • Design Copilot — unterstützt die Prüfung von Optionen, räumlichen Beziehungen und Leistungskennwerten während des iterativen Entwurfsprozesses.
  • Coordination Agent — unterstützt Informationsprüfungen, Integration, Qualitätssicherung und Risikobewertung.
  • Document Automator — unterstützt die Verarbeitung wiederkehrender Informationen in Plänen, Listen, Anmerkungen und Formularen.
  • Construction Intelligence — unterstützt die Strukturierung und Prüfung von Rückfragen (RFIs), Baufortschrittsinformationen und Entscheidungen auf der Baustelle.

Diese Funktionen sind nicht als autonome Rollen zu verstehen. Ihr Nutzen hängt vom Zugriff auf strukturierte Projektinformationen, klar definierten Grenzen und der Prüfung durch die jeweils verantwortlichen Personen ab.

Ein belastbares architektonisches System sollte seine Eingaben, Annahmen und Grenzen transparent machen. Es sollte einem Planungsteam helfen, bessere Fragen zu stellen – nicht Unsicherheit hinter einer vermeintlich eindeutigen Antwort verbergen.

03 / Sich wandelnde Rollen, intelligente Teams

Architekturprojekte beruhen bereits heute auf verteiltem Fachwissen. Projektleitung, Entwurf, BIM-Koordination, Nachhaltigkeitsplanung, Tragwerksplanung und Bauleitung bringen jeweils unterschiedliche Wissensformen in das Projekt ein.

Konzeptioneller Vergleich zwischen etablierten Projektrollen und spezialisierten Formen KI-gestützter Unterstützung.
Abbildung 03. Konzeptioneller Vergleich zwischen etablierten Projektrollen und spezialisierten Formen KI-gestützter Unterstützung.

Von Rollen zu Agents

KI hebt diese Struktur nicht auf. Sie kann zusätzliche, spezialisierte Unterstützungsfunktionen ergänzen.

Ein Strategy Agent könnte bei Briefing und Recherche unterstützen. Ein Design Agent könnte kontrollierte Varianten erzeugen oder bewerten. Ein Coordination Agent könnte Inkonsistenzen zwischen Projektinformationen identifizieren. Ein Documentation Agent könnte wiederkehrende Aufgaben in Listen, Formularen und Planständen unterstützen.

Dabei handelt es sich nicht um einen Ersatz für Architektinnen und Architekten, Fachplaner oder die Projektsteuerung. Es sind kontextbezogene Assistenzsysteme mit definierten Aufgaben, begrenzten Berechtigungen und klaren Prüfpunkten.

Die Verantwortung des Architekten bleibt bestehen: die Aufgabenstellung zu rahmen, relevante Kriterien festzulegen, Varianten zu beurteilen, Fachwissen zu koordinieren und die fachliche Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen. Dies ist insbesondere dort entscheidend, wo Entscheidungen die Genehmigungsfähigkeit, Sicherheit, Kosten, Barrierefreiheit oder vertraglich geschuldete Planungsinformationen betreffen.

04 / Ein menschenzentriertes Arbeitsmodell

Unser Leitbild

Künstliche Intelligenz einsetzen, um kreative Kapazität zu erweitern, die Qualität von Entscheidungen zu verbessern und gemeinsam bessere Gebäude zu realisieren.

Menschenzentriert
Fachwissen erweitern, niemals ersetzen.

Datengestützt
Bessere Eingaben ermöglichen bessere Entscheidungen.

Iterativ als Prinzip
Kontinuierlich prüfen, lernen und weiterentwickeln.

Verantwortungsvolle KI
Systeme transparent, ethisch und rechenschaftspflichtig gestalten.

Die offene Frage

Die Bildgenerierung ist die sichtbarste Anwendung von KI in der Architektur, weil sie unmittelbar funktioniert und leicht demonstrierbar ist. Die anspruchsvollere Chance liegt in den weniger sichtbaren Tätigkeiten: Anforderungen interpretieren, Konsistenz sichern, Regeln prüfen, Informationen koordinieren und Entscheidungen so vorbereiten, dass andere sich darauf verlassen können.

Diese Arbeit ist repetitiv, aber nicht gedankenlos. Sie enthält architektonisches Urteilsvermögen, regulatorisches Wissen, Projektkontext und berufliche Verantwortung.

KI wird in der Architektur dann wirklich nützlich, wenn sie über die Bildgenerierung hinausgeht und beginnt, die Kette von Entscheidungen zu unterstützen, durch die ein Gebäude überhaupt umsetzbar wird.